Die ersten 50 Jahre der Vereinigung der Buchantiquare und Kuperstichhändler in der Schweiz

1970 bis 1980

Die erste Hälfte der 70er Jahre waren immer stärker geprägt durch eine sich beschleunigende Inflation (1971 erfolgte die erste Abwertung des Dollars) und eine beängstigende Preisentwicklung. Gleichzeitig nahm auch die Plage der Diebstähle zu und sowohl auf nationaler wie internationaler Ebene begann man, telephonische ‘Diebstahls-Meldesysteme’ einzurichten. Auf internationaler Ebene wurden sogar Pläne gemacht, die gestohlenen Objekte mit EDV zu erfassen und so die gesammelten Informationen den Mitgliedern zugänglich zu machen. Dies gab viel zu reden, konnte aber in der geplanten Form nicht realisiert werden, nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen rechtlichen Bedingungen in den der Liga angeschlossenen Ländern.

Alfred Frauendorfer

1971, in der Nacht zum Pfingstmontag, wurde Alfred Frauendorfer wenige Tage vor seinem 68. Geburtstag unerwartet durch einen sanften Tod hinweggenommen. Initiant, Gründungsmitglied, langjähriges Vorstandsmitglied und von 1954 bis 1959 Präsident der VEBUKU, war er auch Mitglied des Liga-Komitees von 1959 bis 1964. Der gebürtige Wiener kam 1929 in die Schweiz zur damals gerade nach Zürich umziehenden L'Art Ancien, deren Direktor er 1938 wurde und die er, als sein Lebenswerk, zu besonderem Ansehen führte. Seine vielseitigen Kenntnisse und seine kontaktfreudige und humorvolle Persönlichkeit haben alle, die ihn kannten, sehr beeindruckt.

1973 übernahm Aug. Laube jun. zum zweiten Mal die Präsidentschaft (bis 1978) und wird so der am längsten amtierende Präsident der VEBUKU. Im gleichen Jahre fand zum ersten Mal ein Liga-Kongress in Japan statt, zusammen mit einer Internationalen Messe, an dem drei unserer Mitglieder teilnahmen. Im Rahmen der Liga bedeutete dieser Kongress im Fernen Osten eine grosse Erweiterung der persönlichen und geschäftlichen Beziehungen, ähnlich wie seinerzeit 1955 der erste in Amerika stattfindende Kongress.

Kongress der Internationalen Bibliophilen-Gesellschaft

Im Herbst 1975 erhielten die Zürcher Antiquare ‘Hohen Besuch’, als der Kongress der ‘Internationalen Bibliophilen-Gesellschaft’ in ihrer Stadt durchgeführt wurde. Zu diesem Anlass publizierten die Zürcher ein separates Verzeichnis ihrer Mitglieder und organisierten im Hotel Dolder eine ‘kleine aber feine’ Ausstellung und gerne erinnern 'sich die Teilnehmer an den Abendempfang im gastlichen Hause des Zürcher Sammlers Giuseppe Gherzi.

Von September bis November 1973 fand in Zürich eine vielbeachtete Ausstellung „50 Jahre Kunsthandelsverband der Schweiz“ statt, zu deren Erfolg auch einige unserer Mitglieder (L'Art Ancien, G. Cramer, E. Engelberts, Galerie Fischer, Kornfeld & Klipstein, und Aug. Laube) das ihre beitrugen.

Mehrwertsteuer

In die 70er Jahre fallen auch die Auseinandersetzungen mit der vom Bund geplanten Ersetzung der bestehenden WUST-Bestimmungen mit einer neuen Mehrwertsteuer (MWSt). Dabei die Interessen unserer Vereinigung zu verteidigen, hat unseren Präsidenten viel Zeit gekostet. Im Zusammengehen mit den befreundeten Kunsthandelsverbänden im Rahmen der Dachorganisation (unter der effizienten Federführung von E. W. Kornfeld) und - was die Bücher betrifft - im Zusammenschluss mit dem SBVV musste versucht werden, mit Eingaben an den Stände- und Nationalrat, dass die vorgesehenen Steueransätze auf ein erträgliches Mass angesetzt wurden. Es konnte immerhin erreicht werden (so lesen wir im Jahresbericht 1976/77), dass „die MWSt von 10% auf Kunst und Antiquitäten nicht auf dem Bruttoverkaufspreis sondern auf dem Bruttogewinn zu bezahlen sei. Die Bücher bleiben wie vorgesehen bei einer Besteuerung von 3% auf dem Bruttoverkaufspreis, was angesichts des gewaltigen Finanzhungers unseres Staates einen besonderen Erfolg des SBVV darstellt. Eine volle Befreiung von der MWSt. für Bücher wäre zu schön gewesen“. Die ‘Befreiung’, wenigstens vorläufig, brachte dann die Volksabstimmung von 1979, als auch die reduzierte Mehrwertsteuervorlage verworfen wurde.

1976 verabschiedete der SBVV eine neue Marktordnung, die denjenigen Antiquaren, die nicht ohnehin schon als Buchhändler Mitglied des SBVV waren, eine spürbare Änderung brachte. Während bisher die VEBUKU als befreundeter Verband dem SBVV angeschlossen war und dafür einen kollektiven Jahresbeitrag von Fr. 300.- bezahlte, wurden nun auch die ‘reinen’ Antiquare als Einzelmitglieder beim SBVV eingezogen und einzeln mit einem Jahresbeitrag von Fr. 80.- belastet. Dafür wird dem Antiquar das SBVV-Fachorgan „Der Schweizer Buchhandel“ zugestellt (dass ja eigentlich auch unser Publikations-Medium wäre, aber leider dazu kaum mehr benützt wird), und er kann neue Bücher für den Eigenbedarf (Handbibliothek und privater Lesestoff - falls letzterer nicht in genügender Menge in seinem Laden herumsteht) mit dem üblichen Buchhändlerrabatt beziehen. Er kann auch die guten Dienste des Schweizer. Buchzentrums (ehem. Vereinssortiment) in Olten beanspruchen, und gerade dies kann für den Nur-Antiquar nützlich sein, wenn er sich z. B. ein Buch aus einem entlegenen Verlag (oder aus einem der Grossverlage, die keine Einzelbestellungen mehr erledigen) beschaffen will, oder einfach eine Verlegeradresse braucht.

Herbert Lang und Michael Slatkine

Die zweite Hälfte der 70er Jahre brachte einen Einbruch in die nachgerade wild gewordene Hochkonjunktur und die damit einhergehenden Währungsturbulenzen bescherten etwelche Unsicherheiten sowohl beim Export wie beim Import. Für den Verband aber, und noch mehr für das ‘Verbands-Leben’ waren es ruhige Zeiten.

1975 starben zwei weitere Gründungsmitglieder: Herbert Lang in Bern (am 11. Juni im Alter von 77 Jahren), dessen grosse Bemühungen hauptsächlich dem SBVV galten und dort gewürdigt wurden; und Michael Slatkine (am 8. Juli). 1901 in Rostow am Don geboren, kam Slatkine 1905 mit seiner Familie nach Genf und seine berufliche Laufbahn begann 1918, als die wirtschaftlichen Folgen des 1. Weltkrieges die Familie zwangen, mit dem Verkauf der eigenen Bibliothek eine neue Existenz aufzubauen. Slatkine, eine ausgeprägte und liebenswürdige Persönlichkeit, beschloss sein Leben als ‘grand libraire’. Slatkine war verschiedene Male Mitglied unseres Vorstandes und amtierte als Präsident von 1960 bis 1962.

Ehrenmitglieder

1976 wurden die noch lebenden Gründungsmitglieder Aug. Laube sen., Hans Rohr, Henry Sack (1976), Adolf Seebass, und Rud. Weiss-Hesse (1986) zu Ehrenmitgliedern ernannt. 1977 verlor der Verband mit Paul Voirol ein weiteres Gründungs- und Ehrenmitglied, das in seiner unauffälligen und liebenswürdigen Weise sehr viel zum Gedeihen unseres Verbandes beigetragen hat.

25. ILAB Kongress und 8. Internationale Antiquariatsmesse in Zürich 1978

1978 fand zum dritten Mal ein Liga-Kongress in der Schweiz statt. Die Einladung erging schon einige Jahre früher, aber wegen des Datums - es erfolgte damals ein Schrittwechsel im zweijährigen Rhythmus der Termine, damit sich die Liga-Kongresse nicht immer mit denjenigen der Internationalen Bibliophilen überschneiden - gab es einiges Hin und Her. Der 25. Liga-Kongress wurde schliesslich vom 17. bis 20. September in Zürich durchgeführt.

Dieser Anlass brachte nicht nur vermehrte Bewegung und Zusammenhalt in das Verbandsleben, sondern auch viel zu besprechen und viel Arbeit für die direkt daran beteiligten Mitglieder. Über Zürich als Tagungsort war man sich zwar von vornherein einig - nachdem Genf und Basel schon einmal ‘drangekommen’ waren - aber ausgiebige Diskussionen verursachte die Frage, ob anschliessend an den Kongress auch eine Messe organisiert werden solle, was sich seit einigen Jahren bei den Liga-Kongressen eingebürgert hatte. Schliesslich wurde auch das positiv beschlossen und die Arbeit konnte beginnen. Zwei Komitees wurden gebildet, eines geführt von Aug. Laube jun. für den Kongress und eines für die Messe.

Der umsichtig geplante Kongress begann, nach dem Anreisetag, am Montag Morgen mit einer Generalversammlung, während am Nachmittag die Teilnehmer und ihre Begleiterinnen anlässlich einer Max-Ernst-Ausstellung im Kunsthaus vom Stadtpräsidenten begrüsst wurden und sich am Abend bei einer Rundfahrt auf dem See mit Essen, Tanzen und Geselligkeit vergnügten. Der zweite Tag brachte einen Ausflug nach Winterthur zur Besichtigung der Oskar-Reinhart-Stiftung mit ihren berühmten Gemälden und die anschliessende Weiterfahrt nach St. Gallen, wo die Stiftsbibliothek und die Stadtbibliothek (Vadiana) besucht wurden. Für den nächsten und letzten Tag hatte die Zürcher Zentralbibliothek noch eine Ausstellung vorbereitet und am Abend vereinigte das traditionelle ‘Farewell-Diner’ die Teilnehmer und weitere Gäste zu festlichem Tafeln und ausgiebigem Tanzen im Hotel Baur au Lac.

Die anschliessende Messe im Zürcher Kongresshaus (vom 21. bis 24. September) wurde zusammen mit einem professionellen Messeorganisator durchgeführt, der die nötige Erfahrung mit den technischen Einrichtungen und gute Beziehungen zur Presse mitbrachte, während wir uns bei den besonderen Bedingungen und Erfordernissen einer Buch- und Graphikmesse besser auskannten.

Es war das erste Mal, dass eine solche Messe in der Schweiz durchgeführt wurde und mit rund 100 Ausstellern aus aller Welt und etwa 4000 Besuchern durfte sie sicher als Erfolg gelten. Die Besucherzahl blieb zwar etwas hinter den Erwartungen zurück, was zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass an diesem Wochenende das prächtigste Herbstwetter herrschte, das die Zürcher weit mehr ins Freie als in eine Ausstellung lockte. Mit den Verkäufen waren die Aussteller - wie bei allen Messen - unterschiedlich zufrieden oder unzufrieden. Hinderlich für die Geschäfte war damals sicher auch der einmalige Höchststand des Schweizer Frankens, der vielen ausländischen Kongress-Teilnehmern und Messe-Besuchern in unguter Erinnerung geblieben ist.

In besserer wenn nicht bester Erinnerung aber blieb den Ausstellern und ihren Mitarbeitern sicher das Messe-Abschlussfest, als sich plötzlich ein bekannter schwarzer Jazz-Sänger zum Tanzorchester gesellte, der mit seiner Darbietung die überraschten Zuhörer begeisterte und auch den letzten Aussteller, der etwa noch über dem Messeergebnis brüten mochte, vergessen liess, dass der Umsatz nicht seinen Erwartungen entsprach.

•  1980 bis 1989

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