Die ersten 50 Jahre der Vereinigung der Buchantiquare und Kuperstichhändler in der Schweiz

1980 bis 1989

Nach dem Kongress- und Messe-Höhepunkt verlief das Verbandsleben in den folgenden Jahren wieder in ruhigeren Bahnen. An der GV von 1979 wurde Markus Krebser aus Thun zum neuen Präsidenten gewählt, und eine der nächsten Aufgaben des neuen Vorstandes war die Überarbeitung der Statuten und Usancen. An den Statuten wurde nur wenig geändert (wobei man freilich wieder vergass, wie schon 1961, die ‘Unterstützungskasse’ mit den seit 1958 festgesetzten Bestimmungen mitzudrucken), während die Usancen denjenigen der Liga angeglichen wurden. Auch wurde beschlossen, wieder vermehrt Publizitäts-Arbeit zu machen.

Am 7. Februar 1980 starb August Laube sen. (geb. 1898), Initiant und prominentes Gründungsmitglied, dessen kernige Persönlichkeit allen, die ihn kannten, in unverwechselbarer Erinnerung geblieben ist. Mitglied des ersten Vorstandes, amtierte er auf seinen ganz ausdrücklichen Wunsch hin nie als Präsident, bildete aber, zusammen mit dem gut befreundeten W.S. Kundig, mit seinen weiten in- und ausländischen Beziehungen eine grosse Stütze für die VEBUKU während und nach des Krieges.

Eine Antiquariatsmesse in Zürich

Ein ‘Nachwehen’ der Zürcher Messe war die in diesen Jahren häufig und intensiv diskutierte Frage, sowohl zwischen einzelnen Mitgliedern wie an Versammlungen, ob man nicht in Zürich jährlich eine Buchantiquariats-Messe durchführen solle. A. Messerli, der uns half die Zürcher Messe zu organisieren, anerbot sich, dies weiterhin zu tun und zwar zu günstigen Bedingungen. Befürworter wie Ablehnende hatten beide gewichtige Argumente und das Dafür und das Dawider hielt sich etwa die Waage. Doch wurde an der GV 1981 mehrheitlich beschlossen, auf eine eigene jährliche Messe zu verzichten und dafür wieder vermehrt an der KAM in Basel teilzunehmen. Das wird seither mit wachsendem Erfolg auch gemacht, zudem wird im viel beachteten KAM Katalog jeweils das auf den neuesten Stand gebrachte Mitgliederverzeichnis veröffentlicht. Mit der vermehrten Präsenz von einzelnen Mitgliedern an der KAM sind auch die alten diesbezüglichen Diskussionen wiederbelebt worden: die für unsere Belange zu lange Dauer; ob man einen Gemeinschaftsstand betreiben soll; oder ob zu versuchen sei im Umfeld der KAM eine eigene, nur 3- oder 4-tägige Messe zu organisieren.

Das Thema ‘Messe’ wird wohl weiterhin den Verband beschäftigen. Der Vollständigkeit halber sei hier noch beigefügt, dass A. Messerli in eigener Regie seit 1987 jährlich in Zürich eine ‘Internationale Buch-Antiquariatsmesse’ durchführt und damit einem ‘Messe-Trend’ folgt, der schon in anderen Städten und anderen Kunsthandelsbranchen ausserhalb der jeweiligen Berufsverbände in Gang gekommen ist.

Sich ändernde Strukturen

Die restlichen achtziger Jahre verliefen für den Verband weiterhin eher ruhig, weniger ruhig allerdings für das einzelne Mitglied (und das nicht nur in unserem Land). Währungsschwankungen, Verknappung und weitergehende Verteuerung des Materials und die Konkurrenz der Auktionshäuser hielten (und halten weiterhin) den Buchantiquar und Graphikhändler auf Trab, wobei es ihm aber wirtschaftlich nicht schlecht geht. Das Auf und Ab der Wirtschaftskonjunktur (in den Jahresberichten jeweils vermerkt) darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir seit nun fast vierzig Jahren in einer Hochkonjunktur leben. Die damit verbundenen Probleme, schon weiter oben mit einem Zitat aus dem Jahresbericht für 1959 angedeutet, werden dauernd verschärft und bereiten vermutlich nicht nur dem Chronisten ein mehr als nur leises Unbehagen, wie das wohl weitergehen werde. Aber das hat in einer Verbandsgeschichte keinen Platz, da der Verband als solcher diese Entwicklung nicht steuern kann.

Dabei floriert unsere Vereinigung, d.h. vor allem deren Kasse, besonders seit der Erhöhung des Mitgliederbeitrages von 100 auf 150 Franken im Jahre 1982; das eigentliche Verbandsleben aber, womit der persönliche Kontakt und Zusammenhalt der Mitglieder gemeint ist, scheint ärmer und beziehungsloser geworden zu sein. Neben der Hektik des Geschäftslebens ist sicher auch ein Grund dafür, dass heute der überwiegende Antiquariats-Typus der des stark spezialisierten Klein- und Kleinst-Betriebes ist und die früher vorherrschende Form des grösseren Allround-Geschäftes mit mehreren Mitarbeitern immer seltener wird. Das vermindert die Möglichkeiten der Zusammenarbeit, z. B. von Meta-Geschäften, die in den ‘mageren’ 40er und 50er Jahren sehr häufig gemacht wurden, oder auch der gemeinsamen Treffen bei Auktionen, da ein spezialisierter Antiquar kaum mehr die auch immer länger werdenden Versteigerungen ganz ‘absitzt’, sondern nur möglichst kurz für sein Gebiet dabei ist.

Mitglieder

Es mangelt dem Verband nicht an Mitgliedern, auch nicht an Jungen und Neuen, und auch nicht an Bewerbern, doch das Interesse an der Mitgliedschaft scheint manchmal grösser zu sein, um dadurch an den Messen ausstellen zu können, als am Verbandsleben und dessen Aufgaben teilnehmen zu wollen. Denn es gibt auch heute noch genügend Aufgaben, die alle Mitglieder betreffen und nicht nur den Vorstand.

Mit den eine zeitlang besonders für die dekorative Graphik wild aufwärts kletternden Preisen nahm auch die Versuchung zu, mit Fälschungen oder Neudrucken von nachgestochenen Platten (die nicht als solche deklariert wurden) ausserhalb des traditionellen Handels von dem Boom zu profitieren und der Vorstand sah sich im Namen der VEBUKU einige Male gezwungen, mit Prozessen gegen deren Hersteller vorzugehen.

Der Vorstand ist auch auf die Hilfe der Mitglieder angewiesen wenn es gilt neue Bewerber zu beurteilen. Während früher dem Selbständigwerden normalerweise einige Lehr- und Wanderjahre vorausgingen und die jungen so den älteren Kollegen nach und nach bekannt wurden, ermöglicht heute die Hochkonjunktur auch völlig Aussenstehenden, sich eines Tages mit dem Handel von alten Büchern oder dekorativer Graphik selbständig zu machen. Freilich hat der Vorstand zu Beginn der 80er Jahre, zusätzlich zu den in den Statuten festgehaltenen Aufnahmebedingungen, einen ‘Anforderungskatalog’ erstellt. Der ist jedoch nur wirksam, wenn diejenigen Mitglieder, die einem Bewerber Pate stehen, diese Aufgabe auch äusserst sorgfältig und gewissenhaft wahrnehmen.

Einerseits möchte der Verband keinem jungen Antiquar die Mitgliedschaft vorenthalten, andererseits muss er sich vorsehen, Mitglieder aufzunehmen, die mit ihrer zukünftigen Tätigkeit dem Berufsbild in der Öffentlichkeit schaden könnten. Dass gerade dieser ‘moralische Ruf’ in der Öffentlichkeit (so altmodisch dies klingen mag) auch in Zukunft für unseren Verband von grosser Wichtigkeit bleibt, zeigte die 1983 von der UNESCO vorbereitete und vom Bundesamt für Kulturpflege an die Kunsthandels- und verwandten Verbände verschickte Information zum „Thema der illegalen Verschiebung von Kulturgut und der Rückführung national bedeutender Kulturgüter in ihr Ursprungsland“, das damit sicher nicht zum letzten Mal zur Sprache kam. Kein Antiquar wird so uneinsichtig sein, die Problematik und Brisanz dieses Komplexes verkennen zu wollen, aber ebenso sehr weiss er, wie schwierig und geradezu verheerend es sein würde, wenn in dieser Beziehung von Beamten irgendwelche Vorschriften für den internationalen Handel mit alten Büchern und Graphiken ersonnen und kodifiziert würden (was in einigen Ländern teilweise schon der Fall ist).

Walter Alicke

Seit 1983 wurde der Verband von Walter Alicke präsidiert. In diese Zeit fiel, ziemlich unerwartet, eine massive Erhöhung der Drucksachenporti, gepaart mit unsinnigen Verpackungsvorschriften. Zusammen mit dem SBVV konnte doch erreicht werden, dass letztere teilweise wieder aufgehoben wurden. Kurz zuvor, 1982, kam es mit der WUST wieder zu einem Scharmützel, und zwar wegen der Abgrenzung zwischen Buch und Graphik. In diesem Falle ging es um moderne, mit originaler Graphik illustrierte Luxusdrucke und es konnten neue Bestimmungen erzielt werden, wonach auch ungebundene Editionen zu den Büchern gezählt werden.

Buchantiquare und Graphikhändler

Schon am Anfang bei der Erklärung des Verbandsnamen ist darauf hingewiesen worden, dass in der VEBUKU Buchantiquare und Graphikhändler vereinigt sind. Dies findet jeder Kenner und Liebhaber von Büchern und Graphiken (beizufügen sind Zeichnungen und Autographen) selbstverständlich, fliessen doch diese Gebiete ineinander über und bilden für den Sammler eine Einheit. Nicht so für den Fiskus, der eine klare Abrenzung will - „hie Buch - dort Graphik und Kunst“ - und damit bei diesbezüglichen Fragen einen gewissen ‘Dualismus’ in unseren Verband bringt. Nicht dass sich dieser je zu einer „Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust“-Dramatik gesteigert hätte, aber wir sind dem Problem in unserer Verbandsgeschichte nun schon öfters begegnet: zu den ‘Clearing’- und ‘Dollar-Raum’-Zeiten, wo die Kupferstichspezialisten auch an den für Bücher bestimmten Kontingenten teilzuhaben wünschten, bei der Preisausschreibungs-Pflicht und wiederholt bei Zoll- und WUST-Fragen. Wenn es sich um gedruckte Bücher handelt, ist der Verband gut beraten, sich den diesbezüglichen Bemühungen des SBVV anzuschliessen, und bei Graphik und Zeichnungen die entsprechenden Schritte des Kunsthandelsverbandes zu unterstützen.

August Laube jun. und Felix Bloch

Ein trauriger Anlass vereinte am 9. Dezember 1988 in Zürich zahlreiche Kollegen aus dem In- und Ausland, als es galt August Laube jun. die letzte Ehre zu erweisen. Sein viel zu früher Tod hinterliess allenthalben eine schmerzhafte Lücke. Seine gewinnende Persönlichkeit, sein Enthusiasmus für die alte und moderne graphische Kunst, und die Grosszügigkeit, die er während seiner Präsidialzeiten dem Verband zugute kommen liess, werden allen Mitgliedern in lebhafter Erinnerung bleiben.

Seit März 1989 weilt leider auch Felix Bloch nicht mehr unter uns, dessen Hilfsbereitschaft, geübte Feder und Zweisprachigkeit dem Verband vielfach zugute kam. (...)

Hans Rohr und Adolf Seebass

Eine besondere Freude macht es, zum Schluss zwei weitere Gründungsmitglieder zu erwähnen: Hans Rohr aus Zürich und Adolf Seebass aus Basel. Hans Rohr war hauptsächlich Buchhändler, hat aber in den frühen Jahren des Verbandes, wenn ‘Not am Mann’ war, immer tatkräftig mitgewirkt. Adolf Seebass, 1899 in Leipzig geboren, kam 1924 für ein Jahr in die Schweiz zu L'Art Ancien, damals noch in Lugano; 1934 kam er nach Basel, wo er dem Antiquariat Haus der Bücher/Erasmushaus die heutige Prägung verlieh. Alle seine Verdienste um den Verband hier aufzuzählen, ist nicht möglich, ein paar sind erwähnt worden, und wenn heute noch das Bild vom „Antiquaren der alten Leipziger Schule“ lebendig ist, ist dies Adolf Seebass, der gründlichste berufliche Kenntnisse und Fähigkeiten harmonisch mit musischen Begabungen und persönlicher Bescheidenheit zu verbinden wusste, zu danken. (...)

Gering gekürzte Fassung der Geschichte der VEBUKU, die Jörg Schäfer für die Festschrift „Die ersten fünfzig Jahre der Vereinigung der Buchantiquare und Kupferstichhändler in der Schweiz 1939-1989“ verfasste. Die Festschrift wurde von Jörg Schäfer und Alain Moirandat herausgegeben und in Basel gedruckt in einer Auflage von 1000 Exemplaren, davon 600 in deutscher und 400 in französischer Sprache.

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